Während Strahlung im infraroten oder sichtbaren Bereich das Universum aber weit gehend ungestört durchläuft und unsere Teleskope erreicht, macht Gammastrahlung eine Ausnahme: Sie reagiert mit der Hintergrundstrahlung, die das gesamte Universum durchzieht. Trifft ein hochenergetisches Gamma-Photon während seiner Reise auf eines der Photonen des Hintergrundlichtes, bildet sich ein Elektron-Positron-Paar. Zerfallen diese Paare wieder, entsteht ein Lichtteilchen, das dem ursprünglichen Gammaquant aber nicht mehr ähnelt – es wird möglicherweise in eine andere Richtung abgestrahlt oder sogar in einem anderen Frequenzbereich.
Da die beobachtete Galaxie 3C279 mehr als doppelt so weit von uns entfernt ist wie alle vorher beobachtbaren Galaxien, können die Physiker nun einen Blick in eine noch weiter zurückliegende Vergangenheit werfen. So können sie feststellen, dass die Dichte der Hintergrundstrahlung in kosmosch früher Zeit, bald nach der Entstehung der ersten Sterne, viel geringer gewesen sein muss als bislang angenommen.
"Nur so lässt sich verstehen, dass Gammastrahlung aus dem Schwarzen Loch von 3C279 es bis zu uns geschafft haben, ohne abgelenkt zu werden", so Robert Wagner. Die geringe Dichte habe die Wahrscheinlichkeit einer Wechselwirkung gesenkt und das Gamma-Photon so bis zu uns durchdringen lassen. Um das möglich zu machen, müssten die derzeitigen Modelle der Sternentstehung oder der Entwicklung des Universums überarbeitet werden.
Es steckt aber noch mehr in der Beobachtung von Gammastrahlung. Das hochenergetische Licht wird von den gewaltigsten und exotischsten Quellen im Weltall erzeugt: von Supernovae, aktiven galaktischen Kernen oder den kurzlebigen Gammablitzen. Diese Strahlung erlaubt es den Wissenschaftlern, solche extremen physikalischen Phänomene näher zu erforschen – die weit mehr Energie freisetzen, als sich auf der Erde erzeugen lässt. Da Gammastrahlen nicht geladen sind, werden sie auch nicht von Magnetfeldern abgelenkt und weisen direkt auf ihren Ursprung. Damit verfügen die Astronomen über ein Fenster, durch das sie ferne Objekte direkt beobachten können.
© Max-Planck-Gesellschaft/spektrumdirekt






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