Bei beiden genoss er zwar schnell den Ruf eines brillanten Physikers, doch auch den eines Partymenschen, der wegen ausgedehnter Kneipenbesuche morgens nicht immer zurechnungsfähig war. So schrieb Born später an Einstein: "Ich erinnere mich, dass er [ ] mehr als einmal die Vorlesung um 11 Uhr verpasste."
1923 ging Pauli als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter nach Hamburg und wurde dort schließlich zum Professor ernannt. Gleichzeitig wandte er sich vermehrt dem Alkohol zu: "Als ich nach Hamburg kam, wechselte ich unter dem Einfluss von [Otto] Stern direkt vom Mineralwasser zum Champagner."
Seiner wissenschaftlichen Produktivität tat das jedoch keinen Abbruch. 1924 postulierte er zur Erklärung von Molekülspektren, dass der Atomkern einen inneren Drehimpuls (heute: Kernspin) haben müsse. 1925 führte er eine vierte Quantenzahl ein (heute: Elektronenspin), welche die Aufspaltung von Spektrallinien im Magnetfeld erklärte.
Ob das Ausschlussprinzip Paulis größte Entdeckung war, ist umstritten. Jedenfalls war es diejenige, für die er zwanzig Jahre später einen Nobelpreis erhalten sollte. Dass ihm dieser Preis nicht für eine seiner anderen Entdeckungen verliehen wurde, lag wohl auch an seiner Art, diese zu verbreiten. Anstatt die Ideen und Erkenntnisse zu publizieren, formulierte er sie oftmals nur in Briefen an Kollegen. Pauli bekümmerte die geringe Anzahl seiner Veröffentlichungen aber nur wenig: "Ich kann es mir leisten, nicht zitiert zu werden."
Ende der 1920er Jahre wurde Paulis privates Leben zusehends zur Achterbahnfahrt. 1927 beging seine Mutter als Reaktion auf eine Affäre ihres Mannes Selbstmord, indem sie sich vergiftete. 1929 stürzte sich Pauli kurzerhand in eine Ehe mit der Tänzerin Käthe Margarethe Deppner. Die Liaison wurde nach nur einem unglücklichen Jahr geschieden.
Sein Kommentar dazu: "Heute habe ich etwas Schreckliches getan, etwas, was kein theoretischer Physiker jemals tun sollte. Ich habe etwas vorgeschlagen, was nie experimentell verifiziert werden kann." Der Nachweis des Neutrinos gelang jedoch nach großen Mühen 26 Jahre später.
In Zürich – Pauli war 1928 einem Ruf an die Eidgenössische Technische Hochschule gefolgt – erlebte Pauli schließlich einen nervlichen und vermutlich auch durch seine Alkoholprobleme bedingten Zusammenbruch. Er begab sich schließlich in Therapie bei dem Psychologen Carl Gustav Jung, in deren Verlauf sich die beiden anfreundeten. Während die Therapie weit gehend fruchtlos blieb, gesundete Pauli auf eine andere Weise: Er lernte Franziska "Franca" Bertram kennen und lieben.
Im Laufe seiner Karriere hatte sich Pauli unter seinen Kollegen einen ganz außergewöhnlichen Ruf erarbeitet. Zum einen war er, der mit seinen zwei linken Händen mehr als 100 Fahrstunden zum Erwerb des Führerscheins benötigt hatte, berüchtigt für seine negativen Auswirkungen auf Experimente. Dieser "Pauli-Effekt", der in Anlehnung an Paulis Nobelpreisleistung auch "2. Ausschlussprinzip" genannt wurde, sorgte dafür, dass er sich zu keinem Zeitpunkt mit funktionierenden Experimenten in einem Raum befand. Beim Experimentalphysiker Otto Stern erhielt Pauli deswegen sogar Labor-Verbot.
Neben dieser statistischen Absonderlichkeit, über die Pauli mit seinen Kollegen herzlich lachen konnte, avancierte er jedoch auch zum Prüfstein für gute physikalische Ideen. Werner Heisenberg behauptet von sich: "Ich habe nie eine Arbeit veröffentlicht, ohne dass Pauli sie vorher gelesen hätte." Andere gingen so weit, von Pauli als dem "Gewissen der Physik" zu sprechen.
Doch auch Pauli äußerte Kritik bisweilen mit einem Augenzwinkern: Als Heisenberg in einer Radiosendung eine Reihe gemeinsam erarbeiteter Ideen, an denen Pauli zunehmend zweifelte, als Heisenberg-Pauli-Theorie bezeichnete und großspurig behauptete, es fehlten nur noch einige technische Details, reagierte Pauli mit einer Postkarte an den Physiker-Kollegen George Gamow. Auf diese zeichnete er ein Rechteck und schrieb: "This is to show the world, that I can paint like Tizian. Only the technical details are missing."
Am 15. Dezember 1958 starb Wolfgang Pauli an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er soll entsetzt gewesen sein, als er bei seiner überraschenden Einlieferung ins Krankenhaus zehn Tage zuvor als Zimmernummer eine Zahl erkannte, die ihm schon seit seinem Studium Bauchschmerzen bereitet hatte: 137.









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