Mit dem Kepler-Teleskop haben Astronomen erstmals den Exoplaneten eines Binärsternsystems dabei beobachtet, wie er – von der Erde aus gesehen – vor seinem doppelten Zentralgestirn entlangläuft und es bedeckt. Einen solchen Transit eines Exoplaneten hatten Astronomen sich bisher vorstellen müssen, miterlebt hatte ihn noch nie jemand.
Nun nahm ein vielköpfiges Team um Laurance Doyle vom SETI-Institute in Mountain View, Kalifornien, die Gelegenheit einer Mehrfacheklipse in einem Binärsystem im Sternbild Schwan wahr: Ein etwa saturngroßer Planet läuft hier regelmäßig vor seinen beiden Sonnen vorbei, während der eine Stern gleichzeitig seinen Partner im Doppelsystem bedeckt. Aus den wechselnden Helligkeiten lässt sich unter anderem die Umlaufbahn des Planeten sowie seine und die Masse der beiden Sonnen errechnen. Die Bahnen des Planeten und der Sonnen lassen die Forscher vermuten, dass alle Himmelskörper des Systems sich aus einer gemeinsamen protostellaren Scheibe gebildet haben.
Exoplanet umkreist Doppelstern
Der saturngroße Planet Kepler-16b braucht auf seiner fast kreisförmigen Bahn 229 Tage, um sein doppeltes Zentralgestirn zu umrunden. Die Sonnen und der Planet kreisen dabei fast exakt auf einer Ebene – sie müssen sich demnach einst aus der selben protostellaren Gaswolke gebildet haben.
Das von der Erde aus so günstig zu beobachtende System besteht nach den Berechnungen aus zwei recht kleinen, kühlen Sternen: einem K-Zwergstern von 69 und einem roten Zwerg von etwa 20 Prozent Sonnenmasse. Die beiden umkreisen auf einer exzentrischen Bahn einen gemeinsamen Masseschwerpunkt und bedecken einander alle 41 Tage. Der Exoplanet, getauft "Kepler-16b", ist offenbar ein relativ dichter Gasplanet mit einem beachtlichen felsigen Kern; als "zirkumbinärer" Planet umläuft er die beiden Zentralgestirne in 229 Tagen. Sein Orbit um die Sonnen verläuft knapp außerhalb der habitablen Zone des Systems, also dürfte er eine lebensfeindlich kalte Welt sein, so die Forscher – womit sich der im Rahmen der Veröffentlichung kursierende Vergleich mit dem berühmten Wüstenplanet Tatooine und seiner Doppelsonne aus Star Wars rein wissenschaftlich verbietet.
Von der ESA über die Harvard University nach Heidelberg: Die Exoplanetenforscherin Lisa Kaltenegger berichtet im Interview über die Faszination,... » weiter
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